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WNA April 2015 - Letzte Seite

Wirtschaft Neckar-Alb | März 2012 1Aktuelles | Wenn heute der Winter mal etwas länger dauert, haben die Menschen höchstens schlechte Laune. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ent- schied das Wetter noch über Wohl und Wehe der Bevölkerung. Umso schlimmer war das Jahr 1816, das als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte eingehen sollte. Sint- flutartiger Regen, schwere Gewitter, schädliche Hagelschauer: Ein schier endloser Winter hatte Europa fest im Griff. Auch die Region Neckar- Alb blieb nicht verschont. In den „Reutlinger Chroniken“ findet man folgende Aufzeichnung: „1816: Mai und Juni fast täglich Regen und Gewitter, so daß die Äcker ersof- fen und Weinberge rutschten. (…) Den 31. Juli schneite es auf der Alb.“ Grund: Ein Vulkanausbruch im heutigen Indonesien. Bei der Erup- tion des „Tambora“, die sich am 10. April zum 200. Mal jährt, wurde so viel Asche in die Atmosphäre gepus- tet, dass die Dunstschicht die Son- nenstrahlen von der Erde abhielten und das Klima sich weltweit abkühl- te. Die Folgen der Wetterkapriolen waren zunächst katastrophal. Durch Missernten hungerte die ohnehin durch die Napoleonischen Kriege geschwächte Bevölkerung Europas. Seuchen grassierten. „Achtzehn- hundertunderfroren“ war der pro- grammatische Titel dieses Elends- jahres. Zig Tausende gingen gen Osten in die Schwarzmeergebiete oder suchten ihr Glück in Übersee. Besonders hart traf es Süddeutsch- land. Und so versuchten die Dage- bliebenen aus der Not eine Tugend zu machen. Um für zukünftige Hungersnöte gewappnet zu sein, gründete der württembergische Kö- nig Wilhelm I. die landwirtschaft- liche Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt im Schloss Hohen- heim – aus der später die Universität hervorging. Ebenso initiierte er eine Landwirtschaftsmesse, heute das Volksfest Cannstatter Wasen. Seine Gattin Katharina war nicht minder tätig. Aus ihrem „Wohltätigkeitsver- ein“ enstand nicht nur das Baden- Württembergische Wohlfahrtswerk, sondern auch die Landessparkasse. Und wie war das jetzt mit den Fahr- rädern und den Vampiren? Auch die sind indirekte Konsequenzen des Vulkanausbruchs. Da es kaum noch Pferde zur Fortbewegung gab, entweder verhungert oder gleich im Kochtopf gelandet, erfand Karl Drais in Karlsruhe eine Laufma- schine, unmittelbarer Vorgänger des Fahrrads. 400 Kilomter weiter südlich saßen am Genfer See Lord Byron und dessen Leibarzt John Po- lidori sowie Mary und Percy Shelley am Kamin beisammen – weil das Wetter draußen gar so schlecht war. Langeweile griff um sich und so be- schlossen sie, sich gegenseitig selbst ersonnene Schauergeschichten vor- zutragen. Mary Shelley erzählte von einem gewissen Frankenstein und Lord Byron und John Polidori er- dichteten eine gruselige Geschichte vom blutsaugenden Untoten: „The Vampyr“. Jahr ohne Sommer Der große Ausbruch Was haben Fahrräder und Vampire gemeinsam? Nichts. Oder doch? Foto:titine974-iStockphoto.com

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