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WNA April 2015

www.wirtschaft-neckar-alb.de 16 | Im Gespräch bisher sehr wenige dieser Propaganda- Videos gezeigt haben. Wir setzen sie eher ein, wenn es darum ging darzu- legen, wie professionell die Propagan- da-Maschinerie des IS ist. Dann muss man sie zeigen, weil sie ein Beleg für diese Aussage sind. WNA: Die sozialen Medien werden im Journalismus immer wichtiger: Verändert das den „Weltspiegel“? Brucker: Wir haben 71.000 Freunde bei Facebook und dort wird nach jeder Sendung diskutiert, welcher Beitrag die Zuschauer am meisten interessiert hat. Das ist spannend und der Aus- tausch mit den Zuschauern ist sehr angenehm. WNA: Beeinflussen die Kommentare ihre Themenauswahl? Brucker: Nein, das bestimmt nicht das Programm. Wir als Redaktion set- zen die Themen, die wir journalistisch als wichtig erachten. Aber wir nehmen Anregungen mit. Unsere Zuschauer interessiert zum Beispiel der Blick hinter die Kulissen. Wie kommen die Reporter zum Beispiel über die grü- ne Grenze nach Syrien? Solche Dinge zeigen wir dann. Das Prinzip der Sen- dung ist heute aber das gleiche wie vor 50 Jahren: wir versuchen Hintergrund zu liefern – politisch, kulturell und sozial. Und daran ändert sich auch nichts. WNA: Seit den 90er Jahren sind Sie im Journalismus zu Hause. Wie hat sich die Branche verändert? Brucker: Vom Grundsatz her hat sie sich für mich nicht so stark verändert. Meine Haltung als Journalistin muss immer die Neugierde sein. Es gibt letztlich keinen grundsätzlichen Un- terschied, ob ich über Themen auf der Schwäbischen Alb berichte oder bei den Tuaregs in der Wüste sitze. Man muss in diesem Job kontaktfreudig sein und das hat sich für mich nicht verändert. WNA: Dann würde es für Sie keinen Unterscheid machen, ob Sie mal wie- der im Studio in Kairo sitzen oder hier in Stuttgart? Brucker: Ich habe in meiner jetzigen Rolle weniger Außenkontakt, weil der Großteil meines Jobs Management ist: Eine Redaktion leiten, Personalthe- men, Etats, Sitzungen. Das ist ein ra- dikal anderes Leben als draußen als Korrespondentin. WNA: Was ist spannender? Brucker: Ich habe mich bewusst für die Arbeit hier entschieden. Ich hätte nach meiner letzten Station auch sa- gen können: ich gehe nochmal raus. Ich glaube, es ist gut, wenn auf diesem Posten jemand sitzt, der schon mal drau- ßen war. Ich habe ja die Gelegenheit, für das Feiertagspro- gramm in der ARD und wieder selbst Filme zu machen und in der Kombination passt es für mich. WNA: Was wären so Ziele? Brucker: Im Moment beschäftige ich mich mit der Idee, eine Reise durch Lateinamerika zu machen: Auf der Spur des Goldes. Das Thema hat vie- le Facetten, von den Eroberern und Entdeckern bis zum Goldabbau, den es heute noch gibt. Ich weiß aber noch nicht, ob wir das machen werden. WNA: Sie wirken aber gerade so, als ob Sie lieber heute als morgen wieder aufbrechen möchten. Brucker: In der Theorie ja, in der Praxis habe ich einfach zu viel zu tun, Solche Reisen sind extrem aufwändig. Für Filme von 45 oder 60 Minuten braucht es Wochen und Monate der Vorbereitung. Dann drehen und hin- terher schneiden. Für jeden der letzten beiden Filme, Rom und Paris, habe ich jeweils vier Wochen im Schneideraum gesessen. Und nebenher musste ich die Abteilung leiten. WNA: Sie haben ja auch Venedig und Istanbul als Traumstädte vorgestellt. Wenn Sie die und ihre bisherige Lauf- bahn Revue passieren lassen: Was ist Ihre persönliche Traumstadt? Brucker: Für mich ist es Rom. Ich liebe Italien. Ich mag die Art der Ita- liener. Und Rom ist diese tolle Kom- bination aus Antike und Jetztzeit. Ich war sehr gern in Rom, auch wenn die römische Bürokratie sehr heftig ist, wenn man dort filmen will. Aber Rom ist, das hat ein Gesprächspartner ge- sagt, ein Freilichtmuseum und doch immer modern geblieben. WNA: Sprechen wir zum Abschluss noch über eine andere Traumregion: die Schwäbische Alb. Wie ist Ihre Be- ziehung zur Heimat? Brucker: Sehr gut! Ich liebe die Schwäbische Alb. Für mich ist es ein Highlight, wenn ich samstags oder sonntags hochfahre und zwei, drei Stunden wandern gehe. Da bin ich weg vom Alltag und für mich ist das einfach sehr erholsam. Ute Brucker beruflich in ihrer Traumstadt: Rom. Foto: SWR/Delf Reusch „Es ist unser Job, dort- hin zu gehen, wo Not, Elend und Bürgerkrieg herrschen.“

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