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WNA April 2015

15Im Gespräch | Wirtschaft Neckar-Alb | April 2015 Job, dorthin zu gehen, wo Not, Elend und Bürgerkrieg herrschen. Aber das ist enormer Stress für die Kollegen. Wer vor Ort ist, muss oft vom Mor- genmagazin um 6 Uhr bis zum Nacht- magazin durchberichten, im Zweifel jede Stunde mit einer Live-Schalte. Zwischendurch muss das Team noch Interviews drehen, der Reporter sollte selber rausgehen und Gespräche füh- ren. Nach einer Woche müssen wir manchmal die Kollegen ablösen, weil sie nicht mehr können. WNA: Zur Nachrichtenlage gehören derzeit leider Bilder, die die Ermor- dung von Menschen durch den IS zei- gen. Muss man die senden? Brucker: Wir zeigen sie ja nicht. Aber man zeigt eben ein verpixeltes Foto, weil es das einzige Dokument ist, was über diesen Vorgang existiert. Man muss sicher immer wieder zwischen der Würde des Menschen und der Notwendigkeit zur Berichterstattung abwägen. Deswegen zeigen wir nur Standbilder und natürlich nicht den Moment etwa einer Enthauptung. Wir können aber nur schwer über Dinge berichten, die man gar nicht sieht. WNA: Und es gibt keine Alternative? Brucker: Wenn wir über einen Mord oder eine Hinrichtung berichten, müssen wir – wenn auch in sicher abgemilderter Form – andeuten, was passiert ist. Anders geht es nicht. Ge- nerell glaube ich, dass wir in der ARD Vita Ute Brucker startete ihre journalistische Karriere beim Landesstudio Tübingen des damaligen Südwestfunks (SWF). Nach einem Volontariat kam sie 1995 zum Fernsehen und moderierte verschiedene Sendun- gen für den SWR und die ARD. Brucker war als Reporterin in Kairo und während des Irak-Kriegs 2003 in Bagdad und Jordanien. Von 2004 bis 2008 leitete sie das ARD-Studio Madrid. Im Januar 2009 übernahm Ute Brucker die Leitung des „Weltspiegels“. Sie wurde 1967 in Tübingen geboren und hat Romanistik und Germanistik studiert. WNA: Die Liste der Konflikte auf der Welt wird immer länger und Sie müssen sich von Berufs wegen damit beschäftigen. Verzweifeln Sie manch- mal an der Welt? Brucker: Verzweifeln würde ich nicht sagen. Aber es gibt sicher momentan bei vielen von uns so ein Gefühl: In was für einer Welt leben wir eigent- lich? Mit dem IS-Terror, den Konflik- ten im Nahen Osten oder zwischen Russland und der Ukraine... Als Mo- deratorin des „Weltspiegels“ habe ich das auch kürzlich in der Sendung ge- sagt: Wir können die Welt nicht besser machen. Aber wir können versuchen, sie besser zu erklären. WNA: Wie viel mehr Sendezeit wür- den Sie benötigen, um die größten Konflikte zu erklären? Brucker: Das ist kaum zu beziffern. Erklärungen sind ja auch nicht so ein- fach. Wir haben im Herbst eine erste längere IS-Doku gemacht. Die lief in der ARD über 60 Minuten. Das haben wir in wenigen Wochen gestemmt. Der SWR war federführend, weil wir den Nahen Osten betreuen. Kollegen des NDR aus London waren beteiligt und der Bayerische Rundfunk, weil er für die Türkei zuständig ist. Am Ende haben zwei Redakteure die Masse an Material aus Reportagen und Inter- views zu einem Ganzen zusammenge- fügt. Nur so schaffen wir es überhaupt noch, die Krisen darzustellen. WNA: Gelingt es, die Zuschauer für die vielen Konflikte zu interessieren? Brucker: Wir haben beim „Weltspie- gel“ immer wieder Sendungen, die genau diese Konflikte zum Thema haben. Ich kann nicht sagen, dass wir quotenmäßig dann weniger erfolg- reich sind als bei Sendungen, die leich- tere Themen haben. Klar, es ist sicher schwierig Menschen um 20.15 Uhr mit diesen Themen zu erreichen. Die ARD hatte kürzlich eine sehr gute Re- portage von Reinhold Beckmann über die Jesiden im Programm. Die lief mit knapp sechs Prozent Marktanteil nicht besonders. Dabei ist Beckmann ein guter Autor und ein bekanntes Gesicht – aber das Thema war eben harte Kost. WNA: Verlieren Sie Krisenherde aus dem journalistischen Blick, weil es schlicht zu viele sind? Brucker: Man kann nicht ständig über alle Länder berichten, für die wir beim SWR zuständig sind. Das gibt auch die Nachrichtenlage nicht her. Wir haben im Studio in Kairo zwei Korrespon- denten für den gesamten Nahen Os- ten. Derzeit ist einer in Kurdistan, um aktuell zu berichten. Der andere ist in Jordanien, um eine Reportage vorzu- bereiten. Natürlich kann dann zum Beispiel nicht auch noch gleichzeitig jemand beispielsweise im Südsudan sein, obwohl der auch zum Berichts- gebiet gehört. WNA: Was machen die Krisen und Konflikte, mit denen, die vor Ort sind und berichten? Brucker: Wenn wir jemanden in Kri- sengebiete schicken, gehen wir ein ho- hes Risiko ein. Denken Sie nur an den IS, der Journalisten entführt. Wir sind da im Zwiespalt: Wenn wir gar nicht mehr über Syrien berichten, dann wer- den wir unserer Aufgabe nicht gerecht. Trotzdem geht da niemand mal eben locker-flockig hin. Man fährt mit ei- nem Stück Angst und doch ist es unser

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