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WNA_10-13

www.wirtschaft-neckar-alb.de WIRuNTERNEHMEN Marktwirtschaft Mobile Tradition WNA-Serie WIR uNTERNEHMEN In dieser Serie stellt die Redaktion in lo- ser Folge kleine Firmen aus der Region Neckar-Alb und ihr Tagesgeschäft vor. Wenn andere Leute frei haben und ausschlafen, touren sie durchs Land und sind längst blitzwach: Marktverkäufer. Wie Günter We- ber. Vor zwölf Jahren tauschte er seinen Zimmereibetrieb gegen ka- minwurz und Hartkäse. Schieben, drängeln und flanieren, Preise vergleichen, direkt die Ware testen, ins Gespräch kommen. Kaum woanders ist das Einkaufen noch ein Erlebnis wie auf dem Markt. Günter Weber hat sich vor zwölf Jahren die- sem ursprünglichen Handelswesen verschrieben. In Tübingen und Reut- lingen steht er dreimal die Woche auf dem Markt und verkauft Tiroler Spe- zialitäten: Wurst, Speck, Käse, Schüt- telbrot, Senf und Honig. Seinen ei- gentlichen Beruf, Zimmermeister, gab der Kirchentellinsfurter auf, als klar wurde, dass weder sein Sohn noch ein Geselle den Betrieb übernimmt. Für ihn sei nur eine andere selbstständige Tätigkeit in Frage gekommen, erklärt er. „Und offen auf Leute zuzugehen, ist mir immer schon leicht gefallen.“ Sagt’s und demonstriert mal eben, wie es geht: witzig, aber bedacht den Kunden ansprechen. Vielleicht ein we- nig schäkern. Auf jeden Fall zuhören. „Wenn man sich die Namen merken kann oder die Anekdoten, die einem erzählt werden, ist das ein großer Plus- punkt“, sagt Weber. Schöne Atmosphäre, hartes Brot Dass die Unkosten wie Lager oder Mie- te weit niedriger sind als früher, sind freilich Pluspunkte für ihn. Und heute hat er nach einem 16-Stundentag schon mal zwei Tage frei. „Das Schöne an die- sem Beruf ist: Man macht den Markt- stand zu und hat Feierabend.“ Klingt beinahe romantisch. Dabei ist der Job alles andere als das. Vom kaufmänni- schen abgesehen – also Wareneinkauf, Präsentation und Verkauf – tourt We- ber mit Hänger und angeschlossener Kühltruhe durch Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. Gearbeitet wird oft an Wochenenden und Feiertagen. Nicht selten fängt der Tag um vier Uhr an und hört abends oder nach Mitter- nacht auf. Richtig viel unterwegs ist der Marktverkäufer ab Herbst, wenn sich die ganzen Kirben, Krämer-, Martini- und Weihnachtsmärkte häufen. Neben den Wochenmärkten sind es rund 70 Sondermärkte im Jahr. Ein entspannter Vorruhestand sieht anders aus. Abenteuerlust und Ausdauer Seit März beschäftigt Weber einen Auszubildenden: Stephen Penaluna absolviert eine Lehre zum Einzelhan- delskaufmann an seinem Marktstand. Das erleichtert und erweitert das Ge- schäft beträchtlich. Bis jetzt. Denn der Azubi will später Haupt- und Real- schullehrer werden. Einen Vollzeitmit- arbeiter könnte der Marktverkäufer derzeit nicht bezahlen. Und sommers wie winters, bei Wind und Wetter un- terwegs sein und verkaufen – ist auch nicht Jedermanns Sache. Nicht wenige hängen den Job nach ein paar Jahren an den Nagel. Weber will dranbleiben. In den zwölf Jahren hat er nur einen Markt ausfallen lassen, als er einen Unfall mit dem Hänger hatte. Gera- de auch, weil der Druck sich erhöht hat: Immer mehr Supermärkte führen ähnliche Spezialitäten im Sortiment, immer weniger Leute erledigen ih- ren Wocheneinkauf auf dem Markt. Die Laune lässt sich der Einzelhänd- ler dennoch nicht verhageln. „Ich bin gern unterwegs“, sagt er verschmitzt. Man lerne das Land, manchmal auch andere Mentalitäten kennen. Und et- was Abenteuerlust gehöre zu dem Be- ruf eben dazu. „Man weiß vorher nie, wie das Geschäft laufen wird. Aber zu 80 Prozent hat es sich bislang immer gelohnt.“

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