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WNA_10-13

Wirtschaft Neckar-Alb | Oktober 2013 27Titelthema | 27Titelthema | Zentren- und Märktekonzept Rahmen für Ansiedlungen Das regionale Zentren- und Märktekon- zept wurde im Auftrag des Regionalver- bands Neckar-Alb erstellt und sorgt für eine abgestimmte Logik bei der Einzel- handelsentwicklung. Im Kern geht es um die Stärkung der Ortszentren und die Frage, wie sich diese mit Blick auf Einzelhandelsansiedlungen künftig entwickeln können. Zu den Leitideen des Konzepts gehört es, dass großflä- chige Einzelhandelsansiedlungen mit zentrenrelevanten Sortimenten grund- sätzlich nur innerhalb der so genann- ten zentralen Versorgungsbereiche, ge- meint sind in erster Linie Innenstädte, erfolgen dürfen. Dabei wird in zentren- und nicht zentrenrelevante Sortimente unterschieden. Diese Einteilung wird durch eine regionale „Sortimentslis- te Neckar-Alb“ konkretisiert und zeigt auf, in welchen Standortlagen welche Sortimente möglich sind. Reutlingen wurde die Wilhelmstraße aufgeputzt, derzeit wird an der Ka- tharinenstraße gebaut. In Tübingen ist das Zinser-Dreieck aktuell eine gro- ße Baustelle. Dort wird in die bessere Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Nahverkehr investiert. Der Europa- platz steht auch noch auf der Erledi- gungsliste. Eigentümer beteiligen Dabei ginge noch mehr, wenn sich auch Immobilieneigentümer finanzi- ell beteiligen würden, vor allem jene, die nicht vor Ort sind. Dass das geht, zeigt das aus Kanada und den USA stammende Konzept der „Business Improvement Districts“, kurz BID. Der Grundgedanke: Alle Immobilienei- gentümer in einem Quartier sind per Gesetz Mitglieder im BID und zahlen in eine gemeinsame Kasse. Weil alle dabei sein müssen, gibt es keine Tritt- brettfahrer mehr, die von Aktivitäten am Standort profitieren, aber nichts bezahlen wollen. Das Geld fließt vor allem in die Stadtverschönerung und Maßnahmen, die über das hinausge- hen, was eine Gemeinde im Normal- fall finanzieren würde. Der Clou: Erstmals werden alle Im- mobilieneigentümer an einem Stand- ort eingebunden. Bisher liegen die Lasten auf den Schultern einiger weni- ger Engagierter. Das Ganze funktioniert, weil sich die Eigen- tümer des Quartiers in einer Abstimmung mehrheitlich für die Gründung eines BID entschieden haben. Die Gewerbe- treibenden bleiben dabei nicht außen vor. Sie werden von ihren Vermietern über die Miete an den Beiträgen für die Gemeinschaft beteiligt. Baden-Württemberg hängt zurück In Deutschland gibt es mittlerweile über 25 BIDs. Gerade an weniger mon- dänen Standorten wie Bochum, Bremen, Flens- burg, Offenbach oder Gießen gibt es BIDs und sie funktionieren. Acht Bundesländer ha- ben mittlerweile ent- sprechende Gesetze. Baden-Württemberg hängt in diesem Punkt noch zurück, will jetzt aber loslegen. Der Unterschied zwischen BID und klassischer Werbegemeinschaft liegt im Budget und in der Verantwortung. BID und Stadt haben eine jährliche Rahmenvereinbarung, welche konkre- ten Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Die Umsetzung liegt in den Händen des BID. Weil man sich primär nicht mehr ums Geld kümmern muss, haben die BID- Macher endlich Zeit, an den Schwä- chen ihres Standortes zu arbeiten. Sie kön- nen ihr Marketing professionalisieren, Notwendiges reno- vieren oder neu machen lassen oder sich um die Ansiedlung von Fachhänd- lern kümmern, die zum Standort pas- sen. Damit übernehmen die Quartiere viel Verantwortung und kommen von der Mangelverwaltung einer Werbege- meinschaft endlich zur Gestaltung des eigenen Standortes. Eine weltweit vier- stellige Zahl von BIDs zeigt, dass die Idee wohl ganz gut ist. Von der Mangel-Ver- waltung zur Gestaltung des Standorts Fotos:shutterstock/Bikeworldtravel,shutterstock/cristovao

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