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WNA_10-13

24 www.wirtschaft-neckar-alb.de | Titelthema Laufkundschaft, zumal ab Herbst, ist in manchen ländlichen Gebieten rar gesät. Ebenso wie klassische Einzel- händler. Doch einige von ihnen ziehen von überall her Kunden in ihre Läden. Zum Beispiel: der ML Shop in Win- terlingen, benannt nach seiner Inha- berin Monika Lorch. Weiter weg und zugleich näher kann die Düsseldorfer Kö nicht sein wie hier. Man fährt und fährt durch Wald und Wiesen und steht dann in einem kleinen, schmu- cken Modeladen auf der Schwäbischen Alb: dezent, aber klar ausgeleuchtet reihen sich Markenartikel von Strenes- se, Cambio, Armani oder der elegan- ten Fairtrade-Marke Purity. Die findet man freilich auch anderswo. Aber hier kaufen die Kunden gleichzeitig ihren Personal Shopper mit ein. Der Kleiderschrank der Anderen Den Kleiderschrank seiner Stamm- kunden zu kennen, behauptet wohl jeder Händler in der Branche. In Win- terlingen gehört es zum Geschäfts- konzept: Frauen, die beruflich wenig Zeit zum Shoppen haben oder um Re- tourpakete zur Post zu bringen, wer- den hier für die Saison eingekleidet. Per Einzeltermin. Dafür nehmen sie teilweise weite Wege in Kauf. „Unsere Kundinnen wollen nicht anonym ein- kaufen, sondern schätzen das persön- liche Erlebnis“, sagt Nina Lorch-Beck. Nach ihrer Banklehre 1991 ist sie in das Geschäft ihrer Mutter eingestiegen und teilt sich mit ihr seither die Kun- denprofile auf. Die mit einer fertigen Geschmacksrichtung und diejenigen, die sich überraschen lassen möchten. Etwa 80 Prozent kommen mit Termin. So kann man Kunden binden. Auch durch Beratung, die schon mal über die modische hinausgeht. „Wenn ich in den 20er Jahren gelebt hätte, hätte ich wohl einen Salon geführt“, schmunzelt Monika Lorch. Vor rund 40 Jahren eröffnete die gebür- tige Winterlingerin ihren Laden. Schon damals setzt sie auf ein ausgesuchtes Angebot – bis heute gibt es kein gro- ßes Lager im Hintergrund –, ein gut beleuchtetes Schaufenster und persön- lichen Kontakt. Neukunden gewinnt frau allein durch Mundpropaganda: „Eine gut angezogene Kundin ist die beste Werbung“, sagt Nina Lorch-Beck. Ein Jahr im Voraus stellen Mutter und Tochter die Ware zusammen. Muss re- duziert werden, geht ein Direktmailing an die Kunden raus. Diese homogene Ansprache erinnert fast an eine Inter- net-Community. Apropos Gemeinde: Am Standort gezweifelt haben sie nie. „Wir sind beide überzeugte Landeier“, sagen Mutter und Tochter augenzwin- kernd über sich selbst. Landeier viel- leicht, aber mit Stil. Herzblut, Sport und Spiel Nächster Schauplatz: Trochtelfingen. Nicht nur mit Nudeln, machen Un- ternehmer dort ihr ganz eigenes Ding. Auch mit Fahrrädern und Spielwaren. Mit dieser Kombination agiert die Fi- scher GmbH seit über fünfzig, was Räder angeht, sogar über 100 Jahren. Diese Tradition verpflichtet: Wer hier einkauft, kommt ganz gezielt. Bis heu- te. Gerne auch aus einem größeren Umkreis. Übersehen kann man den Laden kaum: Hochglanzdrahtesel, Tret-Traktoren, Kuscheltiere auf zwei- tausend Quadratmetern. Zwei licht- durchflutete Etagen, weiträumig, ak- Einzelhandel – fernab der Großstadt Von cleveren Mohikanern Wenn es kälter wird, kauft man lieber online. Wer nur offline handelt, muss also was bieten. Zum Beispiel: Service. Das reicht? Nein, aber es hilft. Fotos:sangraf-Fotolia.com,OliverWalz,iStockphoto/egal

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