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WNA_10-13

Wirtschaft Neckar-Alb | Oktober 2013 23Titelthema | Der richtige Weg? „Als der Online-Shop fertig war, pas- sierte erst mal gar nichts“, sagt Krauss. Er fing an, sich für Online-Werbung zu interessieren. „Mit Google Adwords habe ich es geschafft, ein paar Kunden aus ganz Deutschland auf die Seite zu locken“, erzählt er. „Aber die Werbe- preise sind so rasant gestiegen, dass der Verlust größer als der Gewinn war.“ Krauss konzentrierte sich auf die Kun- den, die er nicht erst überzeugen muss- te. Touristen drückte er einen Flyer in die Hand mit dem Hinweis auf den Online-Shop. Mittlerweile sieht er sein Konzept: „Wir versuchen nicht in Kon- kurrenz zu großen Online-Händlern zu treten, sondern unsere eigenen Kun- den stärker an uns zu binden.“ Wenn ein Kunde im Laden war, Vertrauen gefasst und guten Service erlebt hat, wird er auch wieder online bestellen, ist sich Krauss sicher. Die Umsätze sind noch nicht ganz da, wo sie sein sollten. „Wir sind aber auf dem richtigen Weg“, so Krauss. Keine starren Öffnungszeiten Wenn man Osiander-Geschäftsführer Christian Riethmüller fragt, ob er ei- nen stationären oder einen Online- Handel leitet, antwortet er kurz und knapp: „Beides!“ Zu Osiander, gegrün- det im Jahr 1596, gehört das Online- Geschäft mittlerweile genauso wie die Filialen. Das Ganze trägt den Namen Multi-Channel-Marketing. „Der Kun- de soll nicht auf feste Öffnungszeiten angewiesen sein“, sagt Riethmüller. „Ein Buch an einem verregneten Sonntagnachmittag bei uns zu kau- fen, ist kein Problem.“ Interessantes Phänomen, von dem auch einige an- dere Händler berichten: 33 Prozent der Online-Bestellungen werden von den Kunden persönlich im Laden ab- geholt. Online aussuchen, vor Ort ab- holen – das finden viele Kunden gut. Überhaupt ist der Kontakt von Mensch und Buch bei Osiander klar definiert. Gemütlich eingerichtete Filialen laden zum Verweilen ein. Ein informativer und aufgeräumter Online-Shop bietet Übersicht und Chatberatung. Chance gegen Amazon? Es gibt noch mehr. Osiander bietet un- ter anderem in Reutlingen und Tübin- gen das so genannte „Green Book“ an. Internetbestellungen werden portofrei per Fahrradkurier zugestellt. „Das Buch kommt schnell an und man tut der Um- weltetwasGutes“,sagtRiethmüller.Eine gute Idee, die bisher aber noch keine Nachahmer gefunden hat. Warum das so ist? Osiander liefert für den Kunden portofrei und trägt die Transportkosten selbst. Bei Auslieferung mit dem Fahr- rad fallen diese Kosten um etwa einen Euro höher aus als der Standardversand mit der Post. „Das ist unsere Investition in die Umwelt“, so der Osiander-Chef. Mit der Auslieferung werden Dienst- leister beauftragt, in Tübingen findet eine Kooperation mit einer Schülerfir- ma statt. Die Idee des Fahrradkuriers ist im Rahmen der Um- weltkampagne „Tübin- gen macht blau“ ent- standen. Mittlerweile ist die CO2-neutrale Auslieferung für viele Kunden ein Einkaufs- kriterium: Wenn man die Wahl zwi- schen einem Amazon-Buch per Post oder einem Osiander-Buch per Fahr- radkurier zum gleichen Preis hat, dann fällt die Wahl häufig auf die umwelt- freundliche Variante. In Tübingen liefert eine Schülerfirma Bücher für Osiander per Fahrrad aus. „Ein Buch an einem verregneten Sonntag- nachmittag zu kaufen, ist kein Problem.“

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