Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

WNA_10-13

Wirtschaft Neckar-Alb | Oktober 2013 15Im Gespräch | Fotos:WolfgangSchmidt/sabotagefilms Vita Hannes Stöhr ist in Hechingen aufgewachsen und zur Schule ge- gangen. Von 1995 bis 2000 studierte er Drehbuch und Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Erfolge feierte er mit seinen Filmen „Berlin is in Germany“, „One day in Europe“ und „Ber- lin Calling“. Am 3. Oktober startet sein neuer Film „Global Player – Wo wir sind isch vorne“ in den deutschen Kinos. In den Hauptrollen: Christoph Bach, Walter Schultheiß, Inka Friedrich und Ulrike Folkerts. Als Filmkulissen dienten die Stadt Hechingen, die Merz Maschinen- fabrik GmbH und die Burg Hohenzollern. WNA: Herr Stöhr, Shanghai oder He- chingen, wo gefällt es Ihnen besser? Stöhr: Eindeutig Hechingen (lacht). Aber ich komme ja auch aus Hechin- gen, das ist meine Heimat. Shanghai ist der völlige Gegensatz. Eine riesige Stadt mit einer unglaublichen Energie. In meinem Film spiele ich mit diesen Gegensätzen. Ich lasse David gegen Goliath antreten. WNA: Sie schicken also Hechingen ins Rennen gegen Shanghai? Stöhr: Ja. Im Endeffekt ist das so. Der Hauptkonkurrent der Hechinger Tex- tilmaschinenfabrik Bogenschütz & Söhne sitzt in Shanghai. Dem schwä- bischen Mittelständler bleiben die Aufträge aus. Bogenschütz Junior ver- handelt mit den Chinesen über einen Verkauf der Firma. WNA: Ist die Geschichte fiktiv? Stöhr: Die Geschichte ist erfunden. Für die Filmfirma Bogenschütz hat uns die Merz Maschinenfabrik GmbH aus Hechingen ihr Gelände und ihre Fir- mengebäude zur Verfügung gestellt. Wir durften in den Maschinenhallen drehen und Merz-Mitarbeiter haben im Film mitgespielt. Axel Fischer, der seit 30 Jahren bei Merz arbeitet, hat so- gar eine tragende Rolle übernommen. WNA: War die Scheu vor dem Film- team groß? Stöhr: Es hat sich eine Faszination übertragen. Als wir unsere Kameras und Filmkräne ausgepackt haben, ha- ben alle gesehen, was für eine Logistik hinter einem Film steckt. Die Mitar- beiter der Firma Merz interessierten sich dann auch für die technischen Abläufe. WNA: Wie war es umgekehrt? Musste erst noch die Filmcrew von Hechin- gen überzeugt werden? Stöhr: Unter den Schauspielern, Ton- technikern und Beleuchtern waren ei- nige Schwaben dabei. Der ein oder an- dere aus Berlin, der noch nie hier war, hat dann schon einen Tag gebraucht, um zu sehen, wie das hier so läuft. Wir haben aber gemeinsam Hechinger Gaststätten besucht und bei Bier und Fußball sind alle mit den Schwaben warm geworden. Für die chinesi- schen Schauspieler war es eine größere Herausforderung, obwohl wir auch Parallelen entdeckt haben. WNA: Zwischen Schwaben und Chi- nesen? Stöhr: Genau. Bei den Maultaschen. Am Neujahrsfest essen Chinesen soge- nannte Jiaozi. Die Teigtaschen ähneln unseren schwäbischen Maultaschen sehr. Wir haben uns dann auch durch sämtliche Maultaschensorten geges- sen: in Hechingen, in Berlin beim Chi- nesen und natürlich in Shanghai. Wir sind jetzt alle Maultaschenexperten. WNA: Es waren ja auch echte Schwa- ben unter den Schauspielern. War Ihnen das wichtig, damit der Film authentisch wird? Stöhr: Das ist mir in allen meinen Fil- men wichtig. Die Schauspieler sollen so sprechen, wie man im Milieu dieses Filmes spricht. Aber sie sollen den Di- alekt dann auch authentisch sprechen. Wer das Schwäbische nicht beherrscht, neigt dazu, unnötig zu überziehen und dann wird der Film zur Karikatur. Leute, die Schwäbisch können, wissen, dass man auch weglassen muss, dass die kleine Nuance die Musik macht. WNA: Haben Sie keine Angst, dass zu viel Dialekt nicht gut ankommt? Stöhr: Gar nicht. Allgemein finde ich, dass in deutschen Filmen zu viel Hochdeutsch gespro- chen wird. In Amerika ist es Gang und Gebe, dass mit Dialekt gesprochen wird. Wenn man Brad Pitt im Original sieht und er einen texanischen Arbei- ter spielt, dann hat er auch einen Texas- Staaten-Slang. Durch die Synchronisa- tion im Fernsehen denken wir immer, die sprechen alle dialektfrei. Das ist aber eine falsche Interpretation. Na- türlich bin ich gespannt, wie Kinobe- sucher in Berlin, Dresden oder Leipzig auf das Schwäbische in meinem Film „Global Player“ reagieren. Aber ich glaube schon, dass sie merken, dass es nicht dieser Karikatur-Slang ist. WNA: Hatten Sie beim Schreiben des Drehbuchs schon die passenden Schauspieler im Kopf? Stöhr: Nein, zuerst entstand die Ge- schichte. Ich entwerfe das ganze Fi- gurentableau. Dann habe ich recher- chiert, Firmen besucht und Probedrehs gemacht. „In deutschen Filmen wird zu viel Hochdeutsch gesprochen.“

Pages